Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Tönning

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Inhalt: Die Eider

Die Eider war einst mit rund 200 km Länge und einem Einzugsgebiet von knapp 3300 km² der bedeutendste Fluß Schleswig-Holsteins. Von der südlich Kiel gelegenen Quelle aus durchzog sie den sandigen Mittelrücken des Landes westwärts bis nach Rendsburg, wo sie in die Niederungen der Marschen und Moore eindrang. Als Untereider floß sie nun an Friedrichstadt vorbei, und erreichte schließlich ca. 11 km unterhalb von Tönning das Ende ihres Weges mit einem großen Mündungstrichter in den Wattgebieten der Nordsee.

Die Eider blickt auf eine sehr lange Geschichte als Wasserstraße zurück. Schon während der Wikingerzeit diente die Route von der Nordsee durch die Flüsse Eider und Treene und weiter über Land nach Haithabu an der Schlei als Verbindung zum Ostseeraum, wobei allerdings keine direkte Verbindung zwischen diesen beiden Flußsystemen bestand.

Mit dem Bau des Schleswig-Holsteinischen Kanals oder auch Eider-Kanals zwischen Kiel und Rendsburg wurde dann in dieser Region in den Jahren 1777 - 1784 ein durchgehender Wasserweg zwischen Nord- und Ostsee geschaffen, der auch für den Handel zwischen England, Frankreich, Holland und der Ostsee genutzt wurde. Obwohl die durchschnittliche Zeitersparnis gegenüber der Fahrt um Skagen wegen der Gezeiten- und Windabhängigkeit nicht sonderlich groß war, machte der Durchgangsverkehr etwa 45% der Passagen aus, denn gegenüber der sonst erforderlichen Umrundung von Jütland war die größere Sicherheit der entscheidende Vorteil.

Diese führte zu einer wirtschaftlichen Blüte in dieser Region. Zahlreiche Belege dafür lassen sich noch heute an der Eider finden.

Für den Fluß war neben den Eindeichungen der Eider-Treene-Sorge-Niederung der Kanalbau des Eiderkanals ein wesentlicher Eingriff in seine natürliche Wasserführung.

In den Jahren 1887 - 1895 folgte ein Kanalbau mit weitaus größeren Auswirkungen auf das Flußregime: Der Kaiser-Wilhelm-Kanal zwischen Brunsbüttel, Rendsburg und Kiel schnitt die Eider durch seine Trassenführung und Wasserspiegellage von etwa 1200 km² Einzugsgebiet ab und wurde mit insgesamt 1580 km² Einzugsgebiet selber zu einem der bedeutendsten Vorfluter in Schleswig-Holstein. Der Kanal heißt heute Nord-Ostsee-Kanal (NOK) oder international auch Kiel-Canal und ist die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt.

Vom alten Wasserweg blieb nur die Untereider-Strecke ab Rendsburg schiffbar. Sie konnte nicht mit dem NOK konkurrieren und verlor als Handelsweg rapide an Bedeutung. Der Weg von Rendsburg über Brunsbüttel weiter zur Nordsee oder elbaufwärts nach Hamburg war nicht nur deutlich kürzer, sondern auch sicherer, weil die schwierige Wattfahrt entfiel. Auch sind die Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals durch ihre erheblich größeren Abmessungen in der Lage, große Schiffseinheiten passieren zu lassen.

Der Güter- und Frachverkehr auf der Eider hat heute an Bedeutung verloren. Der Fluß wird aber zunehmend von der Sportschifffahrt genutzt, da über Gieselau- und Nord-Ostsee-Kanal immer noch eine reizvolle Verbindung zur Ostsee besteht.

Obwohl der Mensch seit Jahrhunderten in die Natur der Eider eingreift, stellt sich der Fluss in vielen Bereich noch sehr naturnah dar. So sind Mäander genannte Flussschlingen, wie sie auf dem Foto unschwer zu erkennen sind, bei einem schiffbaren Fluss eher eine Seltenheit.

Sind aber Eingriffe und Veränderungen nötig, so verlangt dieser Zustand ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Fingerspitzengefühl. So wird bei erforderlichen Uferbefestigungsmaßnahmen nur eine naturnahe Bauweise unter Verwendung von natürlichen Baustoffen angewandt. Zum Beispiel werden Schilfgürtel bewusst als "Lebendverbau" zur Ufersicherung gegen Wellenschlag eingesetzt.